Vortrag über Extremismus bei Jugendlichen für alle Lehrkräfte

Angeworben beim Computerspiel

In einem ganz normalen Computerspiel und den einschlägigen Chatrooms Anwerber für extremistisches Gedankengut zu finden, wäre wohl vielen von uns nicht eingefallen. Mit Extremismus in Kontakt kommen, weil man daheim ein wenig zockt? Eine große Schar interessierter Lehrer*innen unserer Schule musste während des Vortrags von Gert Gröchenig (Polizeidirektion Vorarlberg) und Mustafa Can (Bildungsdirektion Vorarlberg) jedoch erkennen, dass diese Einschätzung fehlgeleitet ist.

Gerade Jugendliche seien oft Opfer extremistischer „Anwerbung“, so Mustafa Can. Eine Zielgruppe also, die bei uns die Schulbank drückt. Sie seien, so Can weiter, oft auf der Suche nach ihrem Platz in der Gesellschaft, auch zerrissen zwischen der Heimatkultur der Elterngeneration und der Kultur des Landes, in das die Familie eingewandert sei. Diese Kluft sei oft kaum auszuhalten und führe zu Identitätsfragen. Die Frage nach ihrem Platz in der Gesellschaft würden sich Jugendliche – ob mit oder ohne Migrationshintergrund – aber ohnehin allesamt stellen, so der Experte weiter. Wenn dann noch Faktoren wie Leistungsdruck, Frustration über Misslungenes und das Gefühl hinzukämen, die Erwachsenen in der Umgebung wären gar nicht in der Lage, die Jugendlichen zu verstehen, dann seien sie ein gefundenes Fressen für die Rekrutierung durch extremistische Vereinigungen. „Das sind eigentlich die besseren `Sozialarbeiter´, so Can voller Sarkasmus, denn: „Sie bieten einfache Lösungen für komplexe Probleme und holen die Jugendlichen dort ab, wo sie stehen – in ihrer Frustration.“ Oft seien es mittlerweile Einflüsse von Social Media, weniger die von einschlägigen Vereinigungen, so die beiden Fachleute aus der Polizeidirektion und der Bildungsdirektion einhellig.

Gert Gröchenig führte weiter aus und informierte über gesetzlich verbotene Symbole und die Abläufe im Falle einer Meldung von Vorfällen bei der Polizei. Er riet den anwesenden Lehrkräften, ihr Bauchgefühl sprechen zu lassen, wenn sie Veränderungen bei Jugendlichen in Bekleidung, Habitus und Sprachgebrauch sähen. Es gelte, lieber einmal mehr hinzuschauen und den Kontakt mit dem Jugendlichen zu suchen, als einmal zu wenig.

Neben der Schwierigkeit, diese Auffälligkeiten zu erkennen, sind aber auch rasch ausgebuchte Fortbildungsplätze und fehlende Zeitressourcen für Pädagogen ein Problem. So versuchte die Schule, auf ihre Weise an diese Problematik heranzugehen und den Lehrkräften eine Fortbildungsmöglichkeit zu geben, die gerne genutzt wurde. (NN)

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